GRUNDSCHOCKSART
GRUNDSCHOCKSART

Im Fokus: Skulpturen

Von der Malerei ausgehend hat sich seine künstlerische Reichweite im Laufe der Jahre zunehmend ausgedehnt, sodass heute ein gattungsübergreifendes Oeuvre aus Malerei, Skulptur, Installation, Street-Art und Interventionen im öffentlichen Raum dargeboten wird. Wenn Grundschock sich für ein Sujet begeistert, wenn ihm ein Thema auf der Seele brennt, so bearbeitet er dieses oftmals sogar medienübergreifend, da ihm eine einzelne Gattung nicht (mehr) ausreicht, sein Motiv vollständig zu erfassen.


Seine Skulpturen fertigt Grundschock aus Holz, mithilfe einer groben Kettensäge, deren Spuren im organischen Ausgangsmaterial sichtbar bleiben sollen. Nach dem Herauslösen der Formen wird die Oberflächenstruktur durch die Behandlung mit den Elementen Feuer und Wasser weiter transformiert. Zusätzlich werden die Werke mit diversen Pigmenten und Ölen behandelt, um so die Ausdruckskraft der entstandenen Formen zu verstärken.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Öffnungen und Durchbrüchen, die Grundschock in die Skulpturen einarbeitet. Er spielt mit den Formen, experimentiert mit Lichtbrechungen und Schatten. Auch der Rezipient wird eingeladen an diesem Spiel teilzuhaben.

Durch die notwendige Veränderung der eigenen Position kann er immer wieder neue Einblicke, Perspektiven und Aspekte des Kunstwerkes erleben. Der Betrachter muss sich auf einen Dialog mit den Objekten einlassen, denn ohne einen zweiten Blick, einen zweiten Gedanken kann er die Kunstwerke unmöglich in all ihren perspektivischen und inhaltlichen Facetten erfassen.
Um ein Beispiel zu benennen: Eine der aktuellen Werkserien greift den Alltagsgegenstand Stuhl als künstlerisches Sujet auf. In verschiedenen Ausformungen und Anordnungen sind Interpretationen des (von uns meist nur beiläufig wahrgenommenen) Objektes vorzufinden. Wir bemerken etwa Stühle, deren Sitzflächen viel zu hoch sind, um darauf sitzen zu können (vgl. „Du bist Deines Glückes Schmied“).  – Ein Platz, auf dem wir uns gerne ausruhen würden; Eine Position, die wir gerne einnehmen würden. Wir sind ihr jedoch – im wahrsten Sinne des Wortes  – nicht gewachsen. Als eine kleine, aberwitzige Hilfestellung bietet uns ein „eulenspiegelnder“ Grundschock die Miniatur einer Leiter an, die jedoch bei der Vereinnahmung dieses Thrones auch nicht weiterhelfen würde. Ein Stuhl. Ein Objekt, das eigentlich zum Hinsetzen und zum Verweilen einlädt. Durch seine künstlerisch abstrahierten Proportionen ist auf diesem Stuhl bequemes Sitzen jedoch ausgeschlossen. Man kann diesem Stuhl nicht gerecht werden. Aber genau darauf scheint der im Werktitel formulierte Appell anzuspielen: „Du bist Deines Glückes Schmied“.  – Wenn man schon diesem Stuhl bzw. dieser Position nicht gerecht werden kann, sollte man vielleicht stattdessen viel mehr darauf achten, sich selbst gerecht zu werden.

Pamela Pachl, Kunsthistorikerin M.A.

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Jens Grundschock